Mein Leben ist eine Erfahrung über mich und meine Bezügen zum Nächsten. Meine Gaben und meine Bezüge zum Nächsten machen die Summe meines Lebens aus.
Beim Nächsten bedanke ich mich für seine Begleitung.
Sie war und ist noch mein notwendiger Bezug und manchmal mein Gegenüber.
Eine weiblich gegründete Kunst wird öffentlich nicht propagiert.
Das ist meiner Meinung nach notwendig, um der Gesellschaft den fehlenden Erd-Anteil, mit einer weiblichen Sichtweise, gegenüberzustellen.
Eine weibliche Sicht richtet sich aus einem natürlichen Ur-Grund ins Leben.
Dabei verändert sie ihre Substanz nicht.
Die männliche Helicopter-Sicht kommt aus einem selbstgeschaffenen Geist und wirkt manipulativ verändernd auf unsere Kultur, so dass sie keine direkte Bindung zum Natürlichen hat.
Meine weibliche Seins-Sicht umfasst mehr als das, was von der Gesellschaft über philosophische, ethische und religiöse Ansichten mit ihren Werten angenommen und diskutiert wird.
Ich nenne hier nur einige Frauen, die über weibliche Lebens-Sichten forschten und auf die ich mich beziehe.
Das sind Beatrix Pfleiderer, Jutta Voss, Heide Göttner-Abendroth, Gerda Weiler und Christa Mulack.
Aus dem Buch „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estes zitierte ich Textpassagen in der Ausstellung „Steine Köpfe HELFER“ in Friedersdorf im Oderbruch.
Ich beziehe mich auch auf Männer u.a. wie C. G. Jung und Erich Neumann, Bernd Senf über Wilhelm Reich und Jesus.
Vor allem gehört zu meinem Seins-Empfinden kein Missbrauch anderer Kulturen, besonders ihrer Menschen sowie Missbrauch der Natur.
Es gehören auch keine Kriege, die jede weitere Entwicklung und Wandlung ausschliessen, dazu.
Mit einer weiblichen Sicht folge ich einem natürlichen Verlauf von Wachstum und Wandlung und stelle diesen als Prozess dar.
Das ist z.B. ein Verlauf von Geburt, Leben und Sterben und Wiedergeburt mit all seinen Bezügen.
Damit bekenne ich mich zu einem geistigen und natürlichen Gegenüber, mit einem Bezugssystem, das die Verhältnisse dazwischen gestaltet.
Das Verhältnis bringt unsere Lebens-Substanz zum Wachsen und Blühen oder engt sie bis zum Verderben ein.
Die Art und Weise der Verhältnisse, die dieses Bezugssystem in seiner Substanz ausmachen, ist ein wesentlicher Bestandteil eines natürlichen Wachstums.
Im Bezugssystem wird ein vielschichtiger Informations-Weg zum Gegenüber auch als Knoten benannt.
Knoten sind sehr alte Informationsträger. Sie sind in allen Kulturen zu finden.
Wir kennen diese Darstellungen z.B: als Keltischen und als Borromäischen Knoten.
In der Mystik ist das Gegenüber z.B. in Martin Bubers. Dialogphilosophie „ICH und DU“.
Mit diesem Video erzähle ich meinen Lebensweg als Versöhnungsweg, den ich wie ein Knoten zwischen spirituell diametralen Ebenen binde. Das ist ein spiritueller Weg zwischen den Polen Unten - der Natur, nach Oben - der Luft, zum Gott - Vater.
Ich beginne mit meiner Wurzel in tiefen archaisch weiblichen Ebenen - der Mutter Erde und bewege mich bis heute in hohe Luftebenen.
Der Psalm 23 gehört zu meinem Lebensweg, der auch mich durchs finstere Tal führt.
Dabei begleitet mich, wie im Psalm 23, eine göttliche Kraft.
Nur, bei mir ist das Haus des Herrn das Haus der Grossen Mutter.
Mit Weiblich, meine ich nicht die moderne Frau in unserer Gesellschaft.
Die Begriffe Weiblich und Männlich beziehe ich auf Deutungen mythologischer Überlieferungen.
Die modernen gesellschaftlichen Beschreibungen der Frau und des Mannes entsprechen nicht mythologischen Deutungen.
Leider wird zurzeit versucht, eine weibliche Substanz im männlichen Verständnis neu zu definieren.
Es ist das Ziel, weiterhin die Frauen vom weiblichen Wissen zu trennen.
Hierin besteht ein Problem, denn die mythologischen Inhalte wirken als Archetypen im Unbewussten des modernen Menschen und zeigen sich.
Bei mir sind es Tabus, die ich nicht überschreiten kann bzw. es wirken intuitive Informationen aus dem Natürlichen auf meine Entscheidungen.
Gott sei Dank, sind alle Menschen trotz der starken Veränderungen in den Rollenbildern weiterhin mit der Natur verbunden.
Ein theoretisches Wissen und Wortschatz eignete ich mir nach 1980 hauptsächlich über Literatur an.
Das waren feministische, matriarchal-geschichtliche Themen und spirituell–ethnologische, christliche Mystik und Literatur über Buddhistische Lehren.
Ich las viel über Patriarchats- und Gesellschaftskritiken, viel über patriarchalen Machtmissbrauch mit all seinen raffinierten Täuschungen.
Ich interessierte mich für Gruppen, die sich mit in die Zukunft gerichteten Ideen und mit gesellschaftlichen Wandlungsprozessen beschäftigten. Zusammengefasst sind all diese Themen Deutungen und Beschreibungen einer dualen Welt mit einem grossen Ver-wirrt-Sein.
Das Ver-wirrt-Sein gilt als „Normalsein“.
Das Normale ist aus einem menschlich selbsterschaffenen Geist erdacht, der das Leben in Objekt und Subjekt spaltet.
Ein bekanntes Beispiel hierfür ist Platons Höhlengleichnis.
Die aus dieser Sicht entstandenen Werke bezeugen und illustrieren einen patriarchalen Geist in seinen unendlichen Erscheinungsformen.
Das Destruktive wird nicht als destruktiv empfunden, sondern wir sehen und benennen nur seine extremen Erscheinungen.
Das Weibliche darf sich nur in Abhängigkeit patriarchaler Wertungen zeigen.
Es gibt in unserer Kultur für weibliche Mitteilungen keine adäquate Sprache, keine öffentlich ausgezeichneten Kommunikations- und Wirkräume.
Z.B. bewertet man weibliche, natürliche Erscheinungen als untypisch oder krank und drängt sie an den gesellschaftlichen Rand in die Esoterik oder Psychiatrie. Wie Art Brut.
Indigene Kulturen gelten als exotisch.
Eine inhaltliche Auseinandersetzung geschieht gerade mit dem Werk von Hilma af Klint.
Ich bin der Ansicht, dass ihre weiblichen Kunstaussagen einen wichtigen Beitrag zu einem weiblichen Weisheits-Wissen vermitteln und in diesem Kontext betrachtet werden müssen.
Die gesellschaftliche Frau hat sich mit ihren substanziellen und mythologischen Aufgaben vertraut zu machen, um das Haus Gesellschaft aktiv und eigen mitgestalten zu können. Deshalb muss sich die Frau als Trägerin des Weiblichen aus ihrer geistigen und energetischen Co-Abhängigkeit vom Männlichen lösen und ihre Verantwortung fürs Leben eigenständig wahrnehmen.
Und, trotz vergangener Missbrauchs- und Gewalterfahrungen und gegenwärtiger exzessiver Kriege, spreche ich dafür, dass wir Menschen uns für neue weiterführende Lebens-Wege entscheiden müssen.
Wir haben nicht das Recht, unsere Welt zu missbrauchen und zu zerstören.
Wir sind selbst als Leben in der Pflicht, das Leben zu erhalten und zu fördern.
Ich stelle mich vor:
Mein Name ist Monika Maria Nowak, Bildende Künstlerin und weiblicher Schamane.
Ich ordne meine weibliche Kunstsicht einer Sozialen Plastik zu, deren Kern ein Gestaltungssystem mit „Weiblich gegründete Bildende Kunst“ ist.
Ich bin 76 Jahre alt.
Eine Erlaubnis, in meinen jeweiligen Lebenssituationen mich fremden sozialen Strukturen zu nähern und sie zu bewerten, bekam ich mit meinen Lebens-Aufgaben vom Geist der Grossen Mutter. Durch ihn erhielt ich Gaben wie Kraft, Verschmelzen, Mut und Kreativität.
In meiner weiblichen Lebens-Sicht, die hauptsächlich über den Leib reflektiert wird, erkannte ich ein Schema.
Es folgt einer Gestaltungs-Logik, die sich von Unten nach Oben und von Innen nach Aussen aufbaut. Dazu gehört eine Entscheidungsfolge nach dem Muster Ja – Nein oder 0 - 1.
Dieses Schema ist ein weibliches Grund-Prinzip. Und es ist die Umkehrung der gewohnten dualen Sicht von Oben.
Mein Konzept der Sozialen Kunst mit seinem Gestaltungssystem „Weiblich gegründete Bildende Kunst“, illustriere ich unter anderem mit meinem Tun in Gruppen, mit Ausstellungen, mit einzelnen Werkgruppen und Werken.
Über all`meinen Erzählungen steht wie eine dunkle Wolke ein patriarchaler Geist, dessen Destruktivität auch ich mich nicht entziehen kann.
Dazu zeigte ich u.a. 1994 in Berlin die Ausstellung HELFER WEG IIII – der Geist des Todes zeugt und tötet.
Ich erinnere mich an vorgeburtliche Erfahrungen. Mir wurde mein Auftrag fürs Leben vermittelt.
Ich sollte die destruktiven Energien meiner Mutterlinie ins Positive bringen. Und, gleich danach folgte ein weiterer Auftrag.
Es ging um die Wandlung väterlicher Energien.
Über meine Aufgaben spreche ich nur bedingt öffentlich.
Zu meinen Lebensaufgaben bekam ich Gaben und meine Gewissheit, mit einem Unendlichen verbunden zu sein.
Die Gabe Lebens-Kraft zeigte sich bei mir als strahlende Lebendigkeit.
Gegenüber meinem Bruder wurde ich von der mütterlichen Linie nicht willkommen.
Grund dafür war wohl die grosse Selbstverachtung der eigenen Weiblichkeit, die meine Mutter-Mütter auf mich übertrugen. Sie lehnten mich ab.
Und es vollzog sich mein grosses Trenn-Trauma.
Trenn-Traumata sind Trennungen von unserer energetischen Substanz.
Mich begleitet die Lebensfeindlichkeit meiner mütterlichen Linie als meine Ur-Verletzung bis heute.
Meine Ahnen haben slawische Wurzeln.
Die mütterliche Seite übersiedelte Ende des 19. Jahrhunderts aus Böhmen/Mähren ins Ruhrgebiet.
Ich nehme an, dass sie alle vom Bergbau lebten.
Die Familien meiner väterlichen Seite sind seit einigen Jahrhunderten in der Oberlausitz beheimatet und mit Sorben vermischt.
Die Vorfahren arbeiteten in der Landwirtschaft, als Handwerker, wohl auch in der Textilherstellung.
Das Schicksal brachte meine Eltern in Norwegen als Besatzungssoldaten zusammen.
In meiner heutigen Sicht waren die Eltern verlorene Kinder und mühten sich mit ihrem Leben und ihrer Zeit ab.
Sie versuchten, meinem Bruder und mir eine gute Kindheit zu ermöglichen.
Der Tisch war immer reichhaltig gedeckt, wir hatten gute Kleidung und uns wurden alle materiellen Wünsche erfüllt.
Die Eltern wirkten wenig erzieherisch auf uns Kinder ein.
Nur, eine liebevolle Nähe und Vertrautheit lernte ich nicht kennen.
Ich bestimmte meine Tage, die ich in einer grünen, idyllischen Insel-Lage in der Bautzner Innenstadt verbrachte.
Und hier war mein heimischer Abenteuerbereich.
Meine unvergesslichen Naturerlebnisse hatte ich mit meiner Cousine im Lausitzer-Oberland. In den Ferien streiften wir durch die Landschaften.
Ein entgegengesetztes Erleben erfuhr ich während der Familien-Besuche im Ruhrpott.
Statt im Einfamilienhaus lebte die Grossmutter in einer Zechen-Siedlung in einem grossen Reihenhaus mit mehren Eingängen. Daneben standen Ruinen.
Hinter den Häusern gab es Nesselwiesen auf Ziegelschutt und der Schmutz kam als Russ vom Himmel.
Hier war die Bronx vom Ruhrgebiet.
Diese Welten, begleiteten mich über mein Kind-Sein
Bereits als Kleinkind trennte ich zwischen meiner Welt und die Welt der Anderen. Den Erwachsenen gegenüber lebte ich in meiner Blase.
Meine Wahrheit kam aus keiner direkten Ver-Bindung von mir zu den Erwachsenen, sondern es verband mich ein intuitiver Strang zum weiblichen Grund.
Mein Spiegel war das Gestalten meiner Wahrheit.
Damit sah und erkannte ich mich.
Ich ahmte die Anderen nach. Auch noch in der Schule. Bis es einen Bruch in mir gab.
In mir wurden die Spannungen zwischen meinem archaischen Grund und der Lebensart, der ich jetzt folgte, zu gross.
Meine Welt schien in diesem Spannungsfeld, mit seinen unerklärlichen Widersprüchen zwischen meinem Empfinden und dem, was mir von aussen signalisiert wurde, zu verschwinden.
Ich trennte mein inneres emotionales Wissen und meine energetischen Erscheinungen von mir ab und folgte der normalen dualen Weltsicht. Damit geschieht ein weiteres Trenn-Trauma vom göttlichen Grund.
Als ich 11 Jahre war, verliess meine Mutter mit meinem Bruder und mir die DDR. Wir zogen zu meiner Grossmutter nach Duisburg. Mein Vater blieb im Osten.
Der Kontrast, jetzt ein Flüchtling aus der kommunistischen Zone zu sein- sozusagen aus dem armen Osten und aus Feindesland, war zu krass.
Meine Mutter verdiente sehr wenig, wir hatten Geldsorgen. Demgegenüber lebten wir im Osten im Luxus.
Im Ruhrgebiet lernte ich westliche Armut im Zechen-Milieu kennen.
Ich war in diesen Jahren lebensbedrohlicher psychischer und leiblicher Gewalt ausgeliefert und trennte mich von meinem kleinen Ich. Damit ich weiter leben durfte, dockte ich mich an meine Gottesvorstellung an.
Ein weiteres, grosses Trenn-Trauma vollzog sich in mir.
Noch im Alter von 13 Jahren begann ich eine Lehre als Dekorateurin in Duisburg und war froh, endlich kein Kind mehr zu sein.
Ich flüchtete aus meiner Kindheit in meine Jugend, die ich nicht in Deutschland verbringen wollte.
Damals wurde für Auswanderer öffentlich geworben und es reifte in mir der Plan nach Südafrika auszuschiffen.
Zur gleichen Zeit entschloss sich meine Mutter, zum Vater nach Bautzen zurückzukehren.
Wir Kinder waren nicht volljährig und mussten mit.
1961 schloss die DDR ihre Grenze zum Westen. Der Kalte Krieg nahm an Intensität zu.
Die DDR empfing uns als Rückkehrer am Grenzübergang mit Polizeigewahrsam.
Man brachte uns in das Lager Barby/Elbe, sperrte uns ein und überprüfte uns.
Das Lager war ein Schrecken für alle.
Wieder im alten Zuhause lebten wir wie Überlebende. Jeder versuchte für sich, ins neue Leben zu kommen.
Schliesslich galten wir inzwischen als Verräter der DDR.
Mein Vater auch. Er verbüsste wegen eines missglückten Fluchtversuches eine Haft in Cottbus.
Die Summe meiner Gewalterlebnisse war zu gross, um danach leicht und frei anzufangen.
Ein weiteres Trenn-Trauma vollzog ich: Ich spaltete mein bisheriges Leben ab.
Und doch, ich hoffte darauf, in der DDR endlich friedlich leben zu können.
Ein weiterführender Schulbesuch wurde mir vonseiten der Bautzner Behörde nicht erlaubt. Ich begann eine Handwerkslehre als Dekorations-Maler.
Mit dem Dresdner Künstler Heinz Wolle, der mein Fach-Lehrer war, hatte ich meinen ersten guten Gestaltungsunterricht.
Und Heinz Wolle beantwortete all meine Fragen und endete mit einer neuen Frage.
Während der drei Lehrjahre fühlte ich mich wohl. Ich war täglich körperlich gefordert und meine handwerklichen Lernwünsche erfüllte die Ausbildung. So lernte ich noch Maltechniken, die nicht mehr auf dem Plan standen.
Es waren auch anscheinend unmögliche Aufgaben zu erfüllen.
Wir mussten riesige Fabrikhallen vom Schmutz reinigen und mehrere Farbaufträge streichen. Das alles mit einer Quaste in der Hand.
Hier fing ich an, meine Arbeitsschritte zu meditieren.
Mit dem Handwerk lernte ich ein strukturelles, logisches Arbeiten, mein Arbeitsmass einzuschätzen und die Ergebnisse direkt zu sehen.
Auf dem Bau wurde mir bewusst, wie unterschiedliche Gewerke zusammenwirken müssen um ein Haus zu errichten.
Ich sah auch die Kopflastigkeit, wenn der Auftraggeber Wünsche hatte, die weit von einer handwerklichen Tradition entfernt waren und dem Selbstzweck dienten. Über das Handwerk lernte ich meine Leistung kennen und der Beruf gab mir später eine sichere Verdienstmöglichkeit.
Mein Ziel war es, eine Kunstschule zu besuchen, dafür brauchte ich das Abitur.
Nach der Handwerks-Lehre begann ich als Dekorateurin mit Ausbildung im Handel zu arbeiten.
Die Schulausbildungen holte ich an der Abendschule, die ich insgesamt fünf Jahre besuchte, nach.
Mit 19 Jahren hatte ich zwei Berufsabschlüsse und das Abitur.
In Berlin bewarb ich mich an einer Fachschule für Grafik.
In freier Gestaltung konnte ich wenig Übung nachweisen und wurde nicht angenommen.
Ich wechselte zum regionalen Schwermaschinenbau in die Werbeabteilung, die mich zum Studium nach Berlin delegierte.
Hier belegte ich die Fachrichtung Werbeökonomie Industrie/Aussenhandel an der gleichen Schule in Schöneweide.
Ohne weitere Kunst-Ziele zu haben, nahm ich das Studium an. Denn, in der heimatlichen, kleinbürgerlich dumpfen Enge schrumpfte meine Lebensfreude auf ein Minimum.
Berlin sah ich als einzige freie Stadt in der DDR.
Mein Interesse an Kunst stellte ich zurück und lernte Marketing, sass in Bibliotheken und abends im Theater.
So verbrachte ich meine Studienjahre.
Neben dem Studium interessierten mich politische und philosophisch- kulturpolitische Themen. Vor allem das Thema: Sozialistisches Menschenbild. Das sollte ich ja im Beruf vertreten und wusste nicht, was das ist.
Das sozialistische Menschenbild vermittelte die Ausbildung nicht, das wurde nicht diskutiert. Es wurden Klischees benutzt.
Mit ihnen beschäftigte ich mich schon im Handel.
Allgemein wurden sie intellektuell ausgeklügelt und täuschend eingesetzt.
Die Beispiele, die ich in den Medien wahrnahm, ähnelten mir zu sehr den Bildern aus dem Westen.
Ich vermisste eine umfassende Auseinandersetzung für ein sozialistisches Ost-Vorbild.
Ein kleines Buch öffnete mir schliesslich die Augen: „Der geheime Verführer“ von Vance Packard.
Was hier beschrieben wurde, übertrug ich auf meinen Job.
Ich stellte keine grundlegenden Unterschiede in der Art und Weise der Propaganda sowie den Manipulationen im Ost- oder West-System fest. Das machte mir Angst.
Ein Schock und Demütigung kamen hinzu.
Es ging um die Bewertung meiner Abschlussarbeit, in der ich ein aktuelles wirtschafts-politisches Ziel vertrat.
Der Kombinatsleiter befürwortete, dass Eigenentscheidungen im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe- RGW und auf den kapitalistischen Märkten erweitert werden sollten.
Die Chefs der Werbeabteilung nahmen sich dieses Themas an, wollte wissen, wie eine Produkt-Einführung auf dem indischen Markt ohne Beteiligung der Vereinigung volkseigener Betriebe- VVB organisiert wird.
Die Brisanz war, dass es sich hier um die Auslassung einer parteigeleiteten Wirtschafts-Institution handelte.
Allein diese Gedanken öffentlich zu formulieren, schien für die Schule unmöglich.
Aus politisch angepasster Haltung schwieg die Schule über meine Marktplanung und bewertete meine Arbeit negativ.
Die Herren aus der Werbeabteilung, die mich betreuten, kamen nicht nach Berlin. Sie liessen mich allein vor dem Prüfungsgremium.
Damit begann sich mein Vertrauen zur Macht und meine beruflichen Ziele in der Ökonomie aufzulösen.
Vor mir stand die Entscheidung, wohin will ich meine Zukunft ausrichten.
Ich wollte mich keiner allmächtigen Partei, keinem patriarchalen Gedankengut mit diktatorischen Hierarchien und Leitungen unterordnen.
Weder in gesellschaftlichen Strukturen noch in privaten.
Was ein freies Menschenbild sein könnte, wie ein freies Leben sich gestaltete, war meine Neugierde.
Ich wollte unabhängig von fremden Einflüssen meine Erfahrungen formen und mitteilen.
Hier muss ich etwas über meine religiösen und sozialen Vorstellungen einfügen.
Meine freie Religiosität übertrug ich in der DDR auf ihre sozialen Vorstellungen vom Leben im Kollektiv, auf Beschränkungen von Privatbesitz und, dass der Erdboden zum Volkseigentum gehört.
Diese Werte sind mir bis heute wichtig.
Davon unabhängig sah ich die Entwicklung des Landes kritisch und verhielt mich dementsprechend.
Ich bin evangelisch getauft aber nicht religiös erzogen.
Als Kind begeisterten mich Bautzner Klarissen, mit ihnen sah ich erstmalig Frauen, die zusammen lebten und arbeiteten.
In Duisburg sorgte die Schule für meine religiöse Bildung und ich folgte meiner Gottesvorstellung, mit deren Bindung ich mich retten konnte.
Als Jugendliche zogen mich die Zisterzienserinnen im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau an. Sie lebten in Klausur.
Und 1989 wollte ich mich im Kloster St. Marienthal in Ostritz verkriechen, um dem Ende des Landes zu zusehen.
Mein Wollen scheiterte an den hierarchischen Abhängigkeiten der Nonnen von ihren männlichen Vorgesetzten.
